Murmeltiere am Aufstieg zur Pfeishütte

Die Pfeishütte auf rund 1920 Metern Seehöhe gehört zu den klassischen Sommerzielen für Wanderer, die von Innsbruck aus in die Berge starten. Der Anstieg führt durch eine beeindruckende Hochgebirgslandschaft, in der sich Fels, Latschenkiefern und blumenreiche Almwiesen abwechseln. Genau diese Mischung aus offenen Wiesen, durchsetzt mit Geröllfeldern und Felsblöcken, macht das Gebiet zu einem bevorzugten Lebensraum für Murmeltiere.

Wer im Sommer vom Tal aufbricht, hört oft schon lange vor der ersten Sichtung den charakteristischen Warnpfiff der Tiere. Die Pfeishütte liegt eingebettet zwischen dem Karwendel und den Tuxer Alpen, und genau diese Übergangszone mit ihren nach Süden ausgerichteten Hängen bietet ideale Bedingungen für Murmeltierkolonien. Auf Schritt und Tritt kreuzen kleine Erdbaue den Weg, und mit etwas Geduld lassen sich die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung beobachten.

Im Folgenden geht es um meine Erfahrungen mit Marmotta-Sichtungen auf dem Weg zur Pfeishütte. Dabei werden Lebensweise, Verhalten und die besten Zeitfenster ebenso behandelt wie Tipps für Fotografie und ein respektvolles Aufeinandertreffen mit den scheuen Nagern.

Die Pfeishütte als Ausgangspunkt alpiner Beobachtungen

Die Hütte selbst ist weit mehr als nur ein Einkehrziel. Sie steht am Rand eines ausgedehnten Almgebiets, das von Mai bis Oktober bewirtschaftet wird und gleichzeitig als Stützpunkt für Touren in die umliegenden Gipfel dient. Schon beim Aufstieg aus dem Inntal erkennt man, wie sich die Vegetation verändert: Lichte Lärchenwälder weichen niedrigen Sträuchern, bis schließlich nur noch Gräser, Kräuter und Polsterpflanzen den Boden bedecken.

Diese offene Landschaft ist es, die Murmeltiere anzieht. Sie brauchen einerseits grasbewachsene Flächen zur Nahrungssuche und andererseits lockeres Erdreich oder Felsspalten, in denen sie ihre Baue anlegen können. Am Aufstieg zur Pfeishütte finden sich solche Bedingungen an mehreren Stellen, besonders rund um die Almflächen unterhalb der Hütte und entlang der aussichtsreichen Südhänge.

Da der Andrang auf die Hütte in den Sommermonaten hoch ist, lohnt es sich, früh am Morgen aufzubrechen. Wer vor acht Uhr startet, hat nicht nur kühlere Temperaturen und leerere Wege, sondern auch beste Chancen auf Murmeltierbeobachtungen. Die Tiere sind in den frühen Morgenstunden besonders aktiv und sonnen sich oft auf flachen Steinen, bevor sie sich in die Baue zurückziehen.

Lebensweise der Alpenmurmeltiere

Das Alpenmurmeltier (Marmota marmota) ist das größte einheimische Nagetier der Alpen und gehört zur Familie der Hörnchen. Erwachsene Tiere erreichen eine Körperlänge von etwa 45 bis 55 Zentimetern und ein Gewicht zwischen vier und acht Kilogramm, das sie sich im Sommer als Fettreserve für den Winter anfressen. Diese Fettschicht ist überlebenswichtig, denn Murmeltiere verbringen bis zu sechs Monate im Winterschlaf.

Sie leben in Familienverbänden, die aus einem dominanten Paar, mehreren Generationen von Jungtieren und gelegentlich Helfern aus dem Vorjahr bestehen. Ein gut eingespielter Bau verfügt über mehrere Kammern, Fluchtröhren und einen separaten Schlafraum, der mit Heu ausgepolstert wird. Der bekannte Warnpfiff ist ein hochfrequenter, durchdringender Ton, der über mehrere hundert Meter hinweg zu hören ist und bei dem nicht nur die eigene Kolonie, sondern oft auch andere Tiere in der Umgebung reagieren.

Auf dem Weg zur Pfeishütte fällt auf, wie vernetzt die einzelnen Kolonien offenbar sind. Ein Pfiff wird häufig von einem weiteren, weiter entfernt sitzenden Tier beantwortet, und die Kommunikation über die Täler hinweg ist für Wanderer ein eindrucksvolles Schauspiel.

Beste Zeiten für Marmotta-Sichtungen

Wer Murmeltiere sehen möchte, sollte zwei Zeitfenster im Auge behalten: die Tageszeit und die Jahreszeit. Im Jahreslauf erscheinen die ersten Tiere je nach Höhenlage und Schneelage zwischen Ende April und Anfang Mai. Junge Murmeltiere, die im Juni geboren werden, zeigen sich ab Ende Juli außerhalb der Baue und sind anfangs besonders neugierig.

Im Tagesverlauf sind die aktivsten Phasen die ersten Stunden nach Sonnenaufgang sowie die späten Nachmittagsstunden vor dem Sonnenuntergang. In der Mittagshitze ziehen sich die Tiere meist in den Schatten ihrer Baue zurück oder ruhen reglos auf Steinen. Wer die Pfeishütte als Tagesziel ansteuert, hat also gute Chancen, sowohl am Morgen als auch am späteren Nachmittag Murmeltiere zu sehen.

Besonders ergiebig sind die Übergangszeiten, in denen die Almflächen noch feucht sind und Insekten fliegen, die den Murmeltieren als Zusatznahrung dienen. Wer den Aufstieg in die frühen Morgenstunden vorverlegt, kann ihn mit einer Tour zur benachbarten Hafelekarspitze bei Sonnenaufgang verbinden, wo sich die ersten Lichtstrahlen mit der morgendlichen Aktivität der Tiere treffen.

Verhalten, Warnrufe und respektvoller Abstand

Ein Murmeltier, das aufrecht auf seinem Hinterbeinen sitzt und mit angespannter Körperhaltung die Umgebung mustert, hat den Beobachter bereits bemerkt. Der erste Pfiff erfolgt meist aus einer Entfernung von 80 bis 150 Metern. Bleibt der Mensch ruhig stehen, kann es sein, dass das Tier nach kurzer Zeit seine aufmerksame Haltung aufgibt und weiter äst. Wird die Distanz jedoch weiter verringert, folgen meist mehrere schrille Pfiffe in schneller Folge, und die Kolonie zieht sich in die Baue zurück.

Die Tiere nehmen Bewegungen sehr genau wahr und reagieren empfindlich auf schnelle Annäherung, laute Stimmen oder freilaufende Hunde. Es empfiehlt sich, auf den markierten Wegen zu bleiben und keine direkten Annäherungsversuche zu unternehmen. Die Geduld, die man dafür aufbringen muss, wird mit Sichtungen belohnt, die frei von Stressreaktionen sind. Wer einmal erlebt hat, wie ein Jungtier vorsichtig aus dem Bau lugt und nach wenigen Minuten zu spielen beginnt, versteht, warum diese zurückhaltende Beobachtungsweise vorzuziehen ist.

Entlang des Aufstiegs zur Pfeishütte gibt es mehrere besonders einsehbare Kolonien, an denen man sich ohne großen Zeitaufwand niederlassen und das Treiben beobachten kann. Wer möchte, kann die Pausen mit einem ausführlichen Blick in das umliegende Karwendel-Panorama verbinden, das an klaren Tagen bis zur Hohen Salve und zum Wilden Kaiser reicht.

Fotografie und Dokumentation der Begegnungen

Für gelungene Aufnahmen braucht es kein besonders teures Equipment. Eine Kamera mit Brennweiten zwischen 200 und 400 Millimetern reicht völlig aus, um Tiere aus angemessener Distanz formatfüllend abzulichten. Wichtig ist ein ruhiger Stand, gegebenenfalls mit kleinem Stativ oder einer aufgelegten Jacke, denn schon kleine Verwacklungen entscheiden über die Schärfe.

Die Lichtverhältnisse in den Morgenstunden sind meist weicher und farblich wärmer, was sich besonders bei Aufnahmen mit Bergpanorama im Hintergrund auszahlt. Etwas weniger günstig sind die Mittagsstunden mit hartem Licht und kurzem Schatten, die Details in den Fellen der Tiere schnell flau wirken lassen. Wer ohnehin mit der Idee einer Panoramaaufnahme unterwegs ist, kann die Murmeltierbeobachtungen mit weiterführenden Touren verbinden, etwa über den Der Gipfelstürmerweg – eine anspruchsvolle Tour auf die Nordkette, der durch ähnliches Gelände verläuft.

Auch längere Touren mit Übernachtung lohnen sich. Auf der Hütte selbst oder in Biwakschachteln entlang der Route lassen sich die Tiere in den ruhigen Abendstunden beobachten, wenn die übrigen Wanderer bereits eingekehrt sind. In dieser Stille zeigen sich oft noch einmal adulte Tiere, die am Tag zuvor nicht zu sehen waren.

Beobachtungsplätze im Vergleich

Die folgende Übersicht zeigt ausgewählte Stellen entlang des Aufstiegs, an denen ich selbst Murmeltierbegegnungen hatte. Sie unterscheiden sich in Höhe, Erreichbarkeit und Beobachtungsbedingungen:

Ort Höhe (m) Charakter Beste Tageszeit Typische Beobachtungen
Waldrand oberhalb der ersten Alm 1480 Lichter Lärchenwald, Übergang zur Wiese Morgen Einzelne adulte Tiere, Baueingänge
Großer Geröllhang unterhalb des Kamms 1700 Offene Stein- und Wiesenflächen Morgen und Vormittag Ganze Familie, Jungtiere, Warnpfiffe
Blumenreiche Südhänge vor der Hütte 1850 Almwiesen mit Latscheninseln Später Nachmittag Sonnenbadende Tiere, Futtertragende
Aufstiegsweg unmittelbar vor der Hütte 1920 Schmale Pfade, Weidezaun Abend Letzte Aktivitäten vor Rückzug in Baue

Wer die Tour plant, kann anhand dieser Eckdaten entscheiden, welche Abschnitte besonders ausführlich begangen werden sollen. Eine Kombination aus Geröllhang und Südhängen hat sich bei mir als besonders ergiebig erwiesen. Auch die kurze Rast auf der Hütte selbst lohnt sich, da die Tiere sich an die menschliche Präsenz in unmittelbarer Hüttennähe teilweise gewöhnt haben und gelegentlich bis auf wenige Meter herankommen.

Einige Hinweise, die ich beim Beobachten gelernt habe: Immer zuerst den Blick über die Fläche schweifen lassen, bevor einzelne Stellen angesteuert werden. Bewegung in Bodennähe ist besser als aufrecht Stehen. Fernglas oder Teleobjektiv entlasten die Augen und reduzieren die Versuchung, näher heranzugehen. Und nicht zuletzt: Jeder Pfiff ist ein Hinweis, dass das eigene Verhalten wahrgenommen wird und die richtige Distanz gefunden werden muss.

Ein letzter praktischer Tipp: Die Pfeishütte ist im Sommer bewirtschaftet, ein frühes Eintreffen am Nachmittag erlaubt es, nach den Beobachtungen einzukehren und die Eindrücke bei einer Brotzeit Revue passieren zu lassen. Wer die Murmeltiere und die Stille der Alm auf sich wirken lässt, nimmt nicht nur Fotos mit nach Hause, sondern das beruhigende Gefühl, einen Tag in einem Lebensraum verbracht zu haben, der ohne große Eingriffe durch den Menschen auskommt.